Das Schloss Ebenthal, einst ein Lieblingsaufenthalt der Familie Coburg, ist heute u. a. Heimat des Koch- und Seminarstudios SchlossStudio. Wo einst die prachtvolle Hochzeit von 1875 gefeiert wurde, lebt heute die Kreativität in moderner Form weiter. Besucherinnen und Besucher bewegen sich in Räumen, in denen europäische Geschichte geschrieben wurde – und spüren die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Schloss Coburg zu Ebenthal – ein Ort voller Geschichte
Das heutige SchlossStudio im Schloss Coburg zu Ebenthal ist weit mehr als ein kreativer Raum. Seine Mauern erzählen von einer bewegten Vergangenheit, die bis tief ins 14. Jahrhundert zurückreicht. Am Montag, den 20. September 1875, fand hier eine Hochzeit statt, die weit über die Grenzen Österreichs hinaus für Aufsehen sorgte: die Vermählung von Marie Luise Franziska Amalie von Sachsen-Coburg und Gotha und Maximilian Emanuel in Bayern. Diese Eheschließung verband zwei bedeutende Häuser Europas: das einflussreiche Haus Sachsen-Coburg und Gotha, das durch zahlreiche Verbindungen in ganz Europa Macht und Ansehen genoss, und das Haus Wittelsbach in Bayern.
Die Hochzeit von 1875 ist ein Stück europäischer Zeitgeschichte. Sie verbindet die Lebenswege von Kaiserin Elisabeth, einem ihrer Kinder und ihrem Bruder Max Emanuel mit dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha. Dass sich das heutige SchlossStudio genau an diesem geschichtsträchtigen Ort befindet, macht es zu einem einzigartigen Platz, der Tradition und Moderne auf wunderbare Weise vereint.

Die Braut & der Bräutigam
Die Braut, Prinzessin Amalie von Sachsen-Coburg und Gotha (1848–1894), war die zweite Tochter von Prinz August und Prinzessin Clementine d’Orléans. Sie galt als wunderschön, tugendhaft und künstlerisch begabt – besonders am Klavier und im Gesang.
Der Bräutigam Maximilian Emanuel Herzog in Bayern (1849–1893), auch „Mapperl“ genannt, war das jüngste von zehn Kindern von Herzog Max in Bayern und dessen Frau Ludovika. Er war zwölf Jahre jünger als seine berühmte Schwester Kaiserin Elisabeth, besser bekannt als Kaiserin Sisi. Als Bruder von Kaiserin Sissi war er auch enger Vertrauter am Wiener Hof. Max Emanuel schlug eine klassische Militärkarriere ein, komponierte jedoch auch. Er war ein Mann zwischen Pflicht und Leidenschaft, der mit seiner Schwester Sisi viele Interessen teilte.
Kaiserin Elisabeth als Heiratsvermittlerin
Eigentlich war für Amalie eine Verbindung mit Prinz Leopold von Bayern vorgesehen, dem Sohn des späteren Prinzregenten Luitpold. Doch Max Emanuel verliebte sich in Amalie und wollte sie selbst heiraten. Hier kam Kaiserin Elisabeth ins Spiel. Die Kaiserin lud Prinz Leopold nach Schloss Gödöllő ein, wo sich auch ihre Tochter Gisela befand. Die Aussicht, der Schwiegersohn des österreichischen Kaisers zu werden, war für Leopold so verlockend, dass er sich für Gisela entschied. So arrangierte Sisi, dass ihre damals erst 16-jährige Tochter eine politisch vorteilhafte Ehe einging – ein Schicksal, das sie selbst als junge Frau erlebt hatte.
Damit war der Weg frei für die Verbindung, die Sisi eigentlich am Herzen lag: die Ehe zwischen ihrem Bruder Max Emanuel und Amalie von Sachsen-Coburg und Gotha. Im Mai 1875 wurde die Verlobung in Wien offiziell verkündet.
Der Hochzeitstag im Schloss Ebenthal
Die Feierlichkeiten am 20. September 1875 waren prachtvoll inszeniert. Schon am Morgen trafen die Gäste mit einem Sonderzug aus Wien ein. Das Schloss war in den Landesfarben Bayerns, Frankreichs und Österreich-Ungarns geschmückt. Schwere kirschrote Teppiche und üppige Blumendekorationen verwandelten Ebenthal in eine Bühne für das große Ereignis. Ein provisorischer Gang in weiß-blauen Farben führte von der Parkseite direkt dorthin – genau an der Stelle, wo sich heute der Eingang zum SchlossStudio befindet, und weiter zur Schlosskapelle, in der die Trauung stattfand. Die Trauung wurde von Erzbischof Stephan Franz Ludwig von Haynald (ab 1867 Erzbischof von Kalocsa, Ungarn), einem persönlichen Freund der Coburgs, vorgenommen.

Die Braut trug ein schweres weißes Atlaskleid mit einer langen Schleppe, die von der achtjährigen Erzherzogin Marie getragen wurde. Ihr Haar schmückte ein Kranz aus Myrthen, gehalten von Brillantnadeln in Edelweißform. Der Bräutigam erschien in Uniform und trug den Orden vom goldenem Vlies.
Während der Messe erklangen Werke von Mendelssohn-Bartholdy und Jungmann welche von der Musikkapelle des Deutschmeister Regiments intoniert wurden. Nach dem feierlichen „Ja-Wort“ segnete der Erzbischof das Paar, und die Gesellschaft zog in den Marmorsaal, wo ein prunkvolles Dejeuner auf die Gäste wartete.
Auf der Tafel glänzten Silberaufsätze, seltene Vasen und prachtvolle Torten des berühmten Hofzuckerbäckers Demel. Ein „Hochzeitskuchen“ in Pyramidenform bildete den Höhepunkt. Bonbons mit Bildnissen des Brautpaares rundeten das Fest ab.
Auf der Gästeliste der Hochzeit befanden sich hochrangige Persönlichkeiten der damaligen Zeit wie der regierende Herzog Ernst II von Coburg (dessen jüngerer Bruder Albert heiratete Queen Victoria), Erzherzog Carl Ludwig (der zweitjüngstie Bruder Kaiser Franz Josephs) mit 3. Ehefrau Marie Theresia, Erzherzog Rainer mit Gemahlin Maria, Erzherzogin Clothilde (die ältere Schwester von Amalie), Prinz Karl Theodor von Bayern (der ältere Bruder des Bräutigams), Prinz Arthur von England (dritter Sohn und das siebte Kind von Königin Victoria und Prinz Albert), Herzog von Alencon mit Sophie Charlotte Auguste (Schwester des Bräutigams). Als Trauzeugen der Braut fungierten Prinz Karl Theodor und Herzog August.
Über die Verlobung von Max Emanuel Herzog in Bayern und Amelie Prinzessin von Sachen-Coburg und Gotha und über anschließende Hochzeitsfeier auf Schloss Coburg zu Ebenthal wurde in zahlreichen Zeitungen wie dem Wiener Salonblatt, dem Neuen Fremdenblatt und der Morgen-Post ausführlich berichtet.


Ein Leben zwischen Glück und Tragik
Die Ehe von Max Emanuel und Amalie dauerte nur 18 Jahre, brachte jedoch vier Kinder hervor. 1893 starb Max Emanuel im Alter von nur 44 Jahren an einer Lungenentzündung. Amalie folgte ihm knapp ein Jahr später. Trotz des frühen Endes gilt ihre Ehe als glücklich.
Schloss Coburg zu Ebenthal und das SchlossStudio heute
Das Schloss Ebenthal, einst ein Lieblingsaufenthalt der Familie Coburg, ist heute u. .a. Heimat des Koch- und Seminarstudios SchlossStudio. Wo einst die prachtvolle Hochzeit von 1875 gefeiert wurde, lebt heute die Kreativität in moderner Form weiter. Besucherinnen und Besucher bewegen sich in Räumen, in denen europäische Geschichte geschrieben wurde – und spüren die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart.




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